Vorbereitung statt Budgetierung - die ökonomische Wettervorhersage
- Andreas Lerche

- 23. Aug. 2021
- 2 Min. Lesezeit
Die einseitige Sicht nach Innen und die derivativen Zahlenspiele, die Budgets mit sich bringen, behindern einen wachen und aufmerksamen Blick nach Außen, auf die Kunden, auf den Markt, auf die Umwelten. All die Schwierigkeiten, die Budgets und Planung erzeugen, können daher selbst die Existenz eines Unternehmens gefährden. Die Alternative ist, hier eher eine Haltung einzunehmen, die Götz Werner von dm einmal so umschrieben hat: “mit dem, was wir heute tun, haben wir die Zukunft schon geschaffen”. Purpose-orientierte Unternehmen fragen sich fortwährend: macht diese oder jene Entscheidung Sinn? Und wirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen trifft man, in dem man wirtschaftliche Sachverhalte kognitiv und intuitiv bewertet, also mit Bauch und Verstand. Dazu muss man jedoch nachdenken, ein bisschen rechnen und in sich reinhorchen. Das ist wesentlich vielversprechender als ein Budgetplanung. Wichtig ist natürlich, dass hierzu eine Entscheider*in jederzeit Zugang zu aktuellen Daten und Zahlen haben muss, was wiederum nur mit ordentlichen IT-Systemen zu gewährleisten ist…
In diesem Zusammenhang fällt mir oft auf, dass Unternehmen, die weniger gute Prozesse im Finanz- und Rechnungswesen haben, eher dazu neigen, den Fokus auf Planung zu legen. Das erscheint auf den ersten Blick paradox. Ich erkläre mir das so: In einer mehr und mehr digitalisierten Welt mit einer schier unüberschaubaren Anzahl an Tools, tuen sich die Verantwortlichen im Finanz- und Rechnungswesen zuweilen schwer solide Finanzprozesse, neben dem ganzen Tagesgeschäft aufzubauen. Der dennoch vorhandene Gestaltungswille kanalisiert sich dann zuweilen im Aufbau parallelen Budget- und Planung-Wirklichkeiten. Menschlich ist das verständlich, für eine Organisation kann das aber eine schrittweise, schleichende Entkopplung von der Realität der Kunden und des Marktes bedeuten - selbstredend, dass das gefährlich ist.
Unternehmen, die anfangs partout nicht von der Planung ablassen können, lade ich ein, statt der Budgetierung eine sogenannte ökonomische Wettervorhersage zu erstellen. Das ist eine Prognose, welche die ökonomische Großwetterlage beschreibt. Im Unterschied zur Budgetierung ist die Wettervorhersage jedoch wesentlich schneller erstellt, es fließt die Markteinschätzung der Expert*innen ein und die Prognose hat keine Vorgabecharakter. Sie dient vielmehr als Vorbereitung auf die Zukunft und nicht deren Planung - das ist ein Unterschied.
Die nachfolgende Tabelle fasst den Unterschied zwischen der traditionellen Budgetierung und der ökonomischen Wettervorhersage zusammen:

Literaturhinweise und Lese-Empfehlungen
Pfläging, N. (2011). Führen mit flexiblen Zielen - Praxisbuch für mehr Erfolg im Wettbewerb. Frankfurt am Main / New York: Campus Verlag.
Dietz & Kracht (2011), Dialogische Führung Grundlagen – Praxis – Fallbeispiel: dm-drogerie markt, Campus: Heidelberg, S. 65.




Das ist wirklich einer der besten Texte, die ich bisher zum Thema Vorbereitung statt Budgetierung gelesen habe. Du triffst den Nagel auf den Kopf, und ich finde es schade, dass diese wichtige Erkenntnis nicht noch mehr Menschen erreicht. Genau wie du es beschreibst, sehe ich das genauso: Die Fokussierung auf vorausschauende Planung ist so viel effektiver. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs selbst mit diesem Ansatz Schwierigkeiten hatte und eher auf traditionelle Budgetierungsmethoden setzte. Das hat mich oft frustriert und zu unerwarteten Problemen geführt. Erst als ich mich stärker auf die Vorbereitung konzentriert habe, habe ich wirklich Fortschritte gesehen. Es ist befreiend, nicht ständig Zahlen hinterherzulaufen, sondern proaktiv zu agieren. Dein Beitrag hat mich sehr inspiriert und ich würde…
Absolut, das hast du auf den Punkt gebracht! Die Idee, lieber von der Vorbereitung statt von der reinen Budgetierung zu sprechen, leuchtet mir sofort ein und trifft genau ins Schwarze. Ich habe mir in letzter Zeit auch viele Gedanken dazu gemacht, wie wichtig diese vorausschauende Denkweise ist, und dein Beitrag hat mir da wirklich geholfen, die Dinge neu zu sortieren. Es ist faszinierend, wie oft man sich im Alltag in Details verliert und vergisst, das große Ganze im Blick zu behalten. Deine Ausführungen haben mir da einen wertvollen Impuls gegeben, um meine eigenen finanziellen Planungen dahingehend zu überdenken. Ich bin wirklich gespannt, wie sich dieser Ansatz in Zukunft weiterentwickeln wird und welche neuen Erkenntnisse wir daraus noch gewinnen können. Vielen…